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Die PARTEI Saar

Fleischkäs mit Beigeschmack: Thomas Bruch, Putin und der Verdienstorden

Ihr kennt ihn alle: Den Mann, dessen 1-Euro-Fleischkäsweck mehr Menschen für das Saarland begeistert hat als alle gleichermaßen teuren wie albernen Marketingkampagnen der Landesregierung zusammen: Die Rede ist natürlich von Thomas Bruch, schwerreicher Unternehmer und ehemaliger Boss der Globus-Gruppe.

Ein saarländischer Held. Eigentlich. Denn dummerweise bewegt sich Bruch auf internationalem Parkett in ausgesprochen fragwürdiger Gesellschaft. Und das ist noch sehr freundlich ausgedrückt. Bruch nahm nämlich am diesjährigen St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum (SPIEF) teil, und zwar nicht nur als einfacher Gast, er saß als Redner auf der Bühne. Das SPIEF ist keine harmlose Wirtschaftsmesse, auf der Geschäftsleute Visitenkarten tauschen und Häppchen in sich reinstopfen. Es ist eine internationale Prestige- und Propagandaveranstaltung des russischen Regimes. Diktator und Kriegsverbrecher Wladimir Putin tritt dort regelmäßig persönlich auf. So auch in diesem Jahr. Ebenfalls vor Ort: mehrere Politiker der #fckAfD. Nicht gemeinsam mit Bruch, wohlgemerkt. Aber wer jetzt an Zufälle glaubt, glaubt vermutlich auch an die Unabhängigkeit russischer Staatsmedien.

Niemand hatte Thomas Bruch nach Russland geschickt. Wer sollte dem vielleicht reichsten lebenden Saarländer auch weisungsbefugt sein? Er war einzig und alleine dort, weil er es so wollte! Dazu muss man wissen, dass Globus in Russland unverändert Geschäfte macht. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Unternehmen hielt Bruch einen Rückzug nach Putins Überfall auf die Ukraine offensichtlich nicht für nötig. Die russischen Hyperglobus-Märkte wurden lediglich von der hiesigen Globus Holding gesellschaftlich abgespalten. Eigentümer ist aber nach wie vor die Familie Bruch.

Aber warum interessiert uns das eigentlich? Weil Thomas Bruch nicht nur Unternehmer, sondern auch Träger des Saarländischen Verdienstordens ist – der höchsten Auszeichnung, die unser kleines Bundesland zu vergeben hat. Verliehen wurde ihm der Orden 2020 vom damaligen Ministerpräsidenten Tobias Hans. Richtig, der Mann von der Tankstelle. Vielleicht erinnert sich noch jemand.

PARTEI-Plakat: Putin und Gerhard Schröder

Nun stellt sich (uns) die Frage, ob jemand, der sich auf einer solchen Bühne präsentiert, weiterhin als würdig gelten sollte, die höchste Auszeichnung des Saarlandes zu tragen. Dass diese Frage nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, zeigt ein Blick in die einschlägigen Vorschriften: Artikel 6 des Erlasses über die Verleihung des Saarländischen Verdienstordens sieht ausdrücklich vor, dass die Verleihung widerrufen werden kann, wenn sich die ausgezeichnete Person durch ihr späteres Verhalten als unwürdig erweist. Auf Bruch trifft das unserer Ansicht nach ziemlich zweifelsfrei zu.

Da aber leider (noch) nicht wir das zu entscheiden haben, wandten wir uns mit einem ausführlichen Brief an alle demokratischen (!) Fraktionen des Saarländischen Landtages und forderten diese darin auf, sich mit der Angelegenheit auseinanderzusetzen.

Die Resonanz war überschaubar. Nein, sie war 0. Keine Fraktion beantwortete unser Schreiben. Das letzte Wort ist hier aber noch nicht gesprochen. Da könnt ihr sicher sein! Erst recht, nachdem unser allseits beliebter Ex-Kanzler und Putin-Intimus Gerd Schröder völlig überraschend zum Globus-Aufsichtsrat in Russland berufen wurde.